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25.10.18

Deine Worte, meine Worte. Immer noch.


Ich sage und schreibe so viel und manchmal überfällt mich der Gedanke, dass doch alles schon gesagt wurde, doch alles schon gedacht sei zu den großen und kleinen Fragen der Menschheit. Dann fühle ich mich wie das Hamsterlein im Rade. Wiederkäue ich Worte und Gedanken aus Jahrhunderten? Unbesehen.

Wenn man Jahrzehnte sich lesend und Erfahrungen sammelnd durchs Leben bewegte, dann kann man nicht mehr unterscheiden, was Deines ist und was das Meine. Warum denkt und schreibt man also? Warum man das macht, das weiß ich nicht. Ich tue es, weil all das Denken und die Worte wohl bisher nicht ausreichten und immer wieder ausgegraben, durchgekaut und neu formuliert werden müssen.

Vielleicht, vielleicht erreichen sie dann auch all jene, die sich ihnen bisher verweigerten. Und ja, ich gestehe es, ganz heimlich, ganz tief in mir drinnen liegt diese kindliche Sehnsucht, das eine Wort zu finden, den einen Satz, der in den Hirnen und Herzen der Menschen explodieren und alles, alles von Grund auf verändern würde. Welch eine Anmaßung!?

Ja, natürlich. Aber auch der Motor, um nicht in ein Schweigen zu verfallen, welches letztendlich dem Tode gleich käme. Deshalb erlaube ich mir, die Buchstabenreihungen wieder und wieder durchzurütteln und neu zu formieren und aus dem Deinen ein Meins zu machen, damit es ein Unser wird.



23.10.18

Liebe ist...


Liebe ist, wenn dein Hund morgens um halb fünf das Quietschetier neben deinem Kopf positioniert, drauf rum kaut und beide dann so einen bestimmten Ton von sich geben und du, noch völlig verschlafen, aus dem Bett und kaum sortiert in deine Klamotten springst und mit ihm in Dunkelheit und tiefstem Nebel Richtung Felder stampfst, dort bemerkend, dass du weder die richtigen Schuhe erwischt, noch der herrschenden Temperatur entsprechend die richtige Jacke übergeworfen hast. Von Schal und Handschuhen ganz zu schweigen. Immerhin, ein Blick an das Ende der Leine bestätigt es, hast du den Hund dabei. :-)

*Anmerkung
Ist nur ein Beispielfoto von Pixabay. Es war vieeeeeel dunkler und nebliger.



22.10.18

Spieglein, Spieglein an der Wand


Eines meiner liebsten Zitate. Ganz früh in meinem Leben fand ich es ganz unvermutet und trage es seitdem mit mir herum. Mein Mut ist nicht weniger geworden seither und doch muss ich manchmal ein wenig nach ihm suchen, bevor ich mich vor den Spiegel stelle. Das ist okay.
Die Begegnung mit mir selbst war und ist mir unterm Strich eine Freude, auch wenn mir ab und an ein garstiges Gesicht aus dem Spiegel entgegen fratzt. Wir kennen uns, sind uns bekannt. Und können uns sein lassen. Auch das ist okay. 



12.10.18

Schuldig

Wenn man mich fragen würde, welche Bilder mir spontan bei den Begriffen „Angst und Besorgnis“ durch den Kopf schießen, so muss ich gestehen, dass es die Bilder von Kindern sind, die, manche erst vier Jahre alt, in den Minen der Demokratischen Republik Kongo nach Kobalt suchen. Warum es gerade diese Bilder sind? Weil sie so offensichtlich den Zusammenhang zwischen dem Reichtum und den Bequemlichkeiten der reichen Industrieländer mit dem unsäglichen Elend der Menschen in anderen Ländern aufzeigen. Auch meinen Reichtum und meine Bequemlichkeiten. Es macht mir einen Druck auf der Brust und ich träume in der Nacht von einem Gerichtsaal, in dem ich weinend ein „nicht schuldig“ flüstere und mir darauf das höhnische Gelächter abertausender kleiner Menschen entgegen dröhnt. Ein Unschuldig gibt es nicht mehr. 
Auch ich wasche meine Hände in Blut und Tränen. 

11.10.18

Arbeiterkind an der Uni


Die Vorfahren auf Seiten meiner Mutter waren Landarbeiter in der Wetterau. Tagelöhner auch. Ihr Vater war dann nach dem Krieg Kanalarbeiter. Bei der Stadt angestellt. Welch ein Aufstieg! Und ich ging später zur Uni. Meine Mutter hatte bis zum Schluss nicht richtig verstanden, was eine Universität ist. Sie fragte mich immer, wie meine Klassenkameraden denn seien und ob ich mit den Lehrern klar kam. Als ich mein Diplom machte, war da niemand, der sich wirklich verstehend darüber freute. Andererseits war ich politisch aktiv an der Uni und habe recht früh als Tutorin gearbeitet. Das glich manches aus. Die Uni war mir Heimat. Ein Kosmos für sich. Viele meiner Netzwerke basieren auch heute noch auf dieser Zeit. Arbeiterkind an der Uni? Ja, es war spürbar. Mein Sohn studiert heute. Mit großer Selbstverständlichkeit. 


Schrebergarten


Kleingartenvereine - mein Opa hat sie gehasst! Er hatte immer einen Garten, gepachtetes Land von der Stadt (Frankfurt/Main). Ewig lang in Niederrad, direkt neben der Kläranlage (ich habe somit schon als Kind sehr viel über Scheiße gelernt) und dann später am Bornheimer Hang. Beides verlor er, weil die Stadt andere Baupläne hatte. Welch geiles Erlebnis an den Wochenenden in der Morgendämmerung, vor ihm auf seinem kleinen Motorrad sitzend (ja, das ging damals noch), von Bornheim nach Niederrad zu düsen. Er immer laut singend. Dort Kartoffelkäfer klaubend, Unkraut rupfen, süßes Obst ernten, frische Brotkanten und Wurstschnipsel zusammen mit ihm vor der Hütte essend - bleibende und prägende Erinnerungen. Ohne den Garten hätten wir wohl nicht überleben können. 


Weltmädchentag


Immer noch passend zum Weltmädchentag: Ich wuchs in den frühen, wichtigen Jahren mit lauter Frauen auf und mit einem Mann. Meinem Opa. Von den Frauen lernte ich Organisation, Logistik, Management in tiefster Armut, Mitgefühl, knallhartes Überlebenstraining. Von ihm lernte ich Stolz, politisches Denken, Lesen und Schreiben, Skatspielen, Geschichte, Klassenbewusstsein, die Lust am Leben und Lieben, den Blick in den Spiegel, Zivilcourage und Seilspringen. Die Mischung war insgesamt gut, die Möglichkeiten daraus etwas zu machen vielfältig. Trotz aller Armut und mancher Ungerechtigkeiten: Ich war ein glückliches und reich beschenktes Kind. Die beste Basis für all den Mist und den Trubel, der danach noch kam.

Ich will, dass jedes Kind auf der Welt real und praktisch die gleichen Rechte und Chancen bekommt. Jedes Kind.


09.10.18

Herbstbeginn


Dunkelheit, dicker Nebel. Es ist schon ziemlich kühl. Aus dem Nichts tauchen zwei knurrende Huskys auf, deren Besitzer sich schlaftrunken überrascht gegen den Leinenzug stemmt. Sein Morgengruß kommt auch eher knurrend genervt. Nach unsrer Begegnung ist er dann wohl hellwach. Mein Kleiner tobt, macht den dicken Maxe... und ich sehne mich nach der ersten Tasse Kaffee. Felderhopsen im Herbst.

02.10.18

Potential


KleinMadame singt. Hingebungsvoll. Laut. Oft mit eigenwilligen Texten. Ausdauernd. Mit entsprechenden Gesten und Tanzschritten untermalt. Einkaufen mit ihr ist dann immer eine helle Freude. Heute durfte sich Ikea und Supermarkt über ihre Darbietungen freuen. Wir haben bis jetzt noch keinen Hinweis darauf, ob sie Publikum dabei überhaupt im Blick hat, da sie es ja auch zuhause ganz für sich alleine so handhabt. Zu stören scheint es sie auf alle Fälle so überhaupt nicht. Sie hat ein großes Potential mal eine richtige "Rampensau" zu werden. Ich finde das toll. Total begeistert. 
Von wem sie das hat? Keine Ahnung. Von mir nicht, denn ich mag eher die leisen Töne und laut singen tue ich selten. Irgendwo in der langen Ahnenkette muss sich da ein Gen versteckt haben, das jetzt bei ihr aufpoppt und sich entfaltet. Was ein Glück!