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04.02.18

Blitzlicht am frühen Morgen


Manchmal weiß ich nicht mehr, weshalb, wofür, warum ich mich immer wieder darum bemühe, Menschen mit meinen blubbernden Worten und Gedanken zu erreichen. Dann bin ich müde, traurig, verzweifelt und nur noch am Weinen. Vier kleine Videos habe ich mir gerade angesehen. Hintereinander. Noch etwas unausgeschlafen und dadurch distanzlos, so dass sie mir voll ins Gehirn knallten. Amateuraufnahmen wohl alle und deshalb sehr realistisch direkt. Nein, ich werde sie nicht verlinken, ich werde sie nur beschreiben, denn Schreiben rettet mich gerade. Im ersten Video ohrfeigt ein Mann in einer Gruppe von schweigend dabei sitzenden Menschen eine junge Frau. Er tut es immer wieder und schreit dabei irgendwas in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Die Frau wehrt sich nicht. Immer wenn sie den Kopf hebt, schlägt er wieder zu. Keiner der Anwesenden rührt sich. Im zweiten Video hat ein Vater seine kleine Tochter (sechs bis acht Jahre alt schätze ich) gefilmt, nachdem sie ihr erstes Tier getötet hat. Einen jungen Hirsch wohl. Sie zittert und kann nur völlig hechelnd flüstern. Er sagt ihr, wie toll sie das gemacht habe. Seine Stimme ist so ruhig und sanft. Sie kann das hilflose Zittern nicht kontrollieren, sie bebt am ganzen Körper, ihre Augen sind entsetzt aufgerissen. Doch sie folgt seinen Anweisungen und geht zu dem zuckenden Tier, hebt seinen Kopf am Geweih hoch und posiert. Im dritten Video sieht man einen Zusammenschnitt von Gewaltszenen gegen Frauen durch ihre Männer, Partner auf der Straße. Es sieht nach Amateuraufnahmen aus, verwackelt, etwas unscharf. In einer Szene schleift der Mann die Frau über die Straße. Unerwartet sieht man, dass sie ein Kind im Arm festhält. Er tritt und schlägt sie und trifft dabei auch immer wieder das kleine Kind. Im vierten Video, das wohl in Syrien gedreht wurde, versuchen Helfer kleine Kinder unter schweren Trümmern auszugraben. Man hört das eine Kind erbärmlich schreien. Andere sind wohl schon tot.
Diese Filmchen sind aus ganz unterschiedlichen Ländern/Kulturen und Zusammenhängen. Sie haben eines gemeinsam: Sie fressen sich in meine Magengrube und ich komme mir gerade so lächerlich vor mit all meinem Geschreibsel und Gemeckere über meine, unsere täglichen popligen Sorgen und Nöte hier. Ich komme mir so deppert naiv vor, wenn ich dann immer wieder versuche mein selbst gebasteltes positives Menschenbild in Bilder und Worte zu fassen gegen all den Hass und das Elend und gegen das Entsetzliche, was Menschen den Menschen antun. Vielleicht bin ich einfach nur blöd und feige und tue das alles nur um meine eigene Seele vor dem wimmernden Wahnsinn zu retten. Heute ist kein guter Morgen, nein, so gar nicht.
Ich könnte es natürlich auch sein lassen. Mir solche Dinge nicht mehr anschauen.
Nein, das kann ich nicht. Es sein lassen. Das geht nicht. Ich kann nicht so tun, als gäbe es solche Dinge nicht.
Nein, ich kann auch nicht aufhören an das Gute, Mitmenschliche, Mitgefühl im Menschen zu glauben. Denn die Menschen, die diese Filme teilen, sind ja gegen das, was dort geschieht. Sie wollen aufmerksam machen, wollen, dass dies aufhört. Und die Helfer, die die Kinder ausgegraben haben, tun dies voller Tränen und Verzweiflung. Aber sie tun es. Nein, es gibt auch diese andere Seite. Und es gibt so viele davon. Es gibt sie, gibt sie, gibt sie.
Verarsch ich mich selbst? Ich weiß es nicht.

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