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28.01.18

Was bleibt.


Als junger Mensch traf mich die Erkenntnis wie ein Schlag: Das Böse hat keinen Schwanz, keine Hörner und keine dämonische Fratze. Es hat ein ganz alltägliches Gesicht. Es lächelt freundlich, streicht seinem Kind liebevoll übers Haar, kehrt die Straße am Samstag pünktlich, hilft dem Nachbar bei der Apfelernte und der alten Frau über die Straße. Geht munter und frohgelaunt zur Arbeit und tritt dort mit federleichtem Gewissen den fremden Menschen vor sich in den Dreck, zerfetzt einem anderen die Gedärme und verabredet sich dabei lachend mit den Kumpels zur Skatrunde am kommenden Samstagabend. Es werden Häppchen und Witzchen serviert.
Mein Blick wurde schärfer durch diese Erkenntnis, das wohlwollende Blinzeln im Spiegel kritischer. Meine Seele aber schwang sich ein in ein leises Wimmern, das bis heute nicht mehr verstummt ist.  

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