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08.11.17

Gespräch

Vor langer Zeit. Gefunden, durchgekaut und für kitschig und doch wahrhaftig gefunden. Teilenswert? Ich denke schon. Und sei es nur, um Puzzleteile anzubieten.

„Manchmal fürchte ich mich vor dir!“

„Warum denn das, Liebster?“

„Weil du stark bist, weil du nimmst und nicht nur gibst.“

„Ja, ich bin stark, weil ich weiß, dass alles im Leben seinen Preis hat und es immer einen Ausgleich geben wird. Für alles. Darum kann ich sowohl geben als auch, im passenden Moment, nehmen.“

„Weil du egoistisch bist, weil du für dich sorgst.“

„Ja, ich bin egoistisch. Und ich sorge für mich. Wer Liebster, sollte es denn sonst tun? Ich und nur ich bin für all mein Tun und Denken und all mein Nicht-Tun und Nicht-Denken verantwortlich. Immer und überall. Da gibt es keinen Gott und kein anderes Wesen, die mir diese Freiheit abnehmen könnten. Diese Eigenverantwortlichkeit ist mir zugehörig, sie macht mich zu dem, was ich bin. Ich kann sie vergessen, beiseiteschieben wollen – sie ist trotzdem da.“

„Weil du kämpfst, aus einen einzigen Grunde: Für dich und deine Brut.“

„Ja, ich kämpfe. Für mich, meine Brut, und für mein Rudel. Wer zu mir gehört, dessen Wohlbefinden ist mir wie mein eigenes. Genauer: Mein Wohlbefinden ist unauflöslich mit dem Wohlbefinden aller mit mir Verbundenen verknotet. Wird dieses Wohlbefinden bedroht, dann, ja dann kann ich auch beißen. Nicht sofort, nicht als das Mittel der ersten Wahl. Aber, wenn es denn sein muss, wenn ein bestimmtes nicht mehr erträgliches Maß überschritten wird durch ein winziges kleines Tröpfchen, dann, ja, sicher. Keine Frage, dann kann es hart und heftig werden.“

„Weil du spielst mit einem einzigen Ziel: Du willst gewinnen.“

„Ja, natürlich spiele ich Spiele um zu gewinne. Warum sollte ich sie denn sonst spielen?“

„Weil du klug bist und immer alles bis zum Grunde durchdenken willst.“

„Ja, ich bin klug. Natürlich hege und pflege ich meine Klugheit und nähre sie. Dies sichert zum einen mein Überleben und zum anderen ist es das einzige Gut, dass mir niemand nehmen kann. Und es würde meine Intelligenz beleidigen, wenn ich Dinge nicht bis zum Grunde durchdenken würde. Auch wenn mir die Abgründe und die sich daraus ergebenden Konsequenzen dann manchmal nicht gefallen.“

„Weil dein Mitleid sich in Grenzen hält, wenn es um dein Überleben geht.“

„Ja, manchmal bin ich ohne Mitleid. Aber, dies sagt nichts über meine Fähigkeit zum Mitgefühl aus. Ich fühle immer mit und trage den Schmerz des anderen in mir. Das ändert jedoch nichts daran, dass ich Schmerz auch gebe und verteile. Bewusst oder unbewusst. Viel wichtiger erscheint mir jedoch, dass ich vergeben kann. Den anderen und mir.“

„Weil der Tod dich nicht schreckt.“

„Ja, der Tod macht mir keine Angst. Er gehört für mich zum Leben. Das eine gibt es ohne den anderen nicht. Ich habe ihn in so vielen Variationen gesehen, gerochen und geschmeckt. Er ist mir ein Vertrauter und er ist nicht mein Feind. Er, und nur er, schenkt mir dieses Gefühl: Das Leben ist wunderschön! Hier und Jetzt.“

„Weil du liebst, wie du liebst.“

„Ja, ich liebe. Auf meine Art. Und ich schere mich dabei nicht um Alter, Geschlecht, Herkunft, äußere Attribute und sonstigen Mist. Ich liebe. Sehe mich an und umfasse mich und kann mich aushalten und lieben, so wie ich gerade bin. Und aus dieser Liebe zu mir wächst und wächst und wächst die Liebe für andere. Ein Fass ohne Boden, ja.“

„Weil deine Sinnlichkeit keine Scham kennt.“

„Ja, meine Sinnlichkeit ist ein unendliches Meer von Möglichkeiten. Da ist vieles schon gelebt und da liegt noch so vieles ungekostet brach. Scham? Für wen? Aus welchem Grunde? Ich schaue mich an und ich liebe mich. Solange dieses Wohlwollen mir gegenüber durch meine Sinnlichkeit nicht tangiert wird, gibt es keinen Grund für jedwede Form von Scham.“

„Weil du alles gibst und alles willst.“

„Ja, ich gebe mich hin. Bedingungslos. Und ja, ich nehme jemanden in mich hinein. Bedingungslos. Dann, und nur dann, wenn jemand derart Teil meines Lebens ist, gebe und will ich alles. Alles andere wäre doch nur Makulatur, oder? Reine Energieverschwendung.“

„Weil du schön bist in einer Art, die mir den Atem nimmt.“

„Ja, ich bin schön. In den Momenten, in denen ich in Balance bin, bin ich schön. Auch das kann beängstigend sein.“

„Und darum fürchte ich mich.“

„Aber, du, du brauchst mich nicht fürchten, Liebster. Denn du bist doch bei mir.“

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