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22.10.17

Ungelöst

Da geht gerade in Fb ein Video um, in dem ein kleines Mädchen in Windeln verzückt vor sich hin tanzt. Lebensfreude pur und meine spontane Reaktion auf den Clip: Lachen und Freude. Die Kommentare darunter gehen von „Oh, wie süß!“ bis zu „Das ist doch Futter für Pädophile. Das darf man nicht zeigen!“. Und letzteres Argument macht mich irgendwie grummelnd und dockt an anscheinend Ungelöstes bei mir an.

Persönlichkeitsrechte des Kindes, Recht am eigenen Bild – okay, darüber kann ich diskutieren. Ich würde von unseren Kindern solche Bilder oder Filme niemals öffentlich stellen, aus Respekt davor, dass es sie irgendwann mächtig stören könnte. Aber diese Angst vor dem Missbrauch des Filmchens als Wixvorlage für Kinderschänder? Ich weiß ja nicht.

Auf der einen Seite: Ja, den Missbrauch gibt es. Auf der anderen Seite:  Haben wir den Dreck jetzt schon im eigenen Kopf? Müssen wir uns solche Bilder mit Täterblick anschauen, um zu schützen?

Nein, das ist für mich kein theoretisches Konstrukt oder Problemchen. Als Begleiterin von KleinMadame werde ich täglich damit konfrontiert: Sie zieht sich am liebsten überall aus und läuft und tanzt nackt durch ihre Welt. So schnell kannst du gar nicht gucken, Schwupps, sind die Kleider weg und sie rennt. Im Sommer mitten auf der Fressgass in Frankfurt zum Beispiel. Oder bei uns im einsichtbaren Hof. Ja natürlich, da könnten dann Leute mit Handy und überhaupt. Auf der anderen Seite stehen ihre Lebensfreude und ihre Freude am eigenen Körper und die guten Gefühle, wenn die Luft die Haut berührt. Und autonomes Pinkeln geht so auch viel leichter.

Bei mir immer eine völlige Verunsicherung. Ich habe ein paar Mal versucht, ihr zu erklären, warum ich es für wenig sinnvoll halte, dass sie jetzt nackt so im Öffentlichen rum hüpft. Dabei merkte ich, wie dämlich sich meine Begründungen in ihren Ohren anhören müssen. Auch völlig überfordernd für ihr Alter. Und auch ich spürte ja, dass es einfach nicht rund ist. Was ich da so von mir gab, war ja Erwachsenenscheiß. Es fühlte sich an, als würde ich etwas sehr Gutes und Wunderbares mit einer Form von Anpassung an etwas Schlechtes und Widerliches deckeln. Irgendwie bin ich da ihr gegenüber mehr oder weniger sprachlos.

Vielleicht weil ich ja innerlich unter anderem auch das Gefühl habe, die Gewalttätigen und Missbraucher hätten schon gewonnen und meinem Kopf übernommen, weil ich deren Blick auf Welt übernehme.

Ich könnte ihr ihre Nacktheit außerhalb des Hauses natürlich schlichtweg verbieten und das Verbot mit Gewalt durchsetzen. Aber, und dieses Aber ist ein dickes, es käme mir schlichtweg anmaßend und extrem übergriffig vor und würde so gar nicht, so überhaupt nicht, zu unserem Zusammenleben passen.

Bisher siegte deshalb immer die Lebensfreude und sie einfach so sein lassen, wie sie sich wohlfühlt.

Aber, es gibt ihn natürlich, diesen möglichen Missbrauch. Unleugbar. In tausendundeinem Zusammenhang, in unendlich vielen Kontexten, in völlig unerwarteten Situationen. Kommt man oft gar nicht so locker drauf. Braucht ja nicht mal Nacktheit dazu. Soll ich mich jetzt in jede mögliche und unmögliche Situation vorauseilend in Täterdenken hineindenken. Da werde ich ja bekloppt.

Verdammt.

Ungelöst. 

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