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14.10.17

Alles gut

Ich weiß nicht, wie oft ich in meinem Leben dasaß und heulend dachte, wie schön und einfach wäre doch alles, wenn ich nur da und dort meine Entscheidungen anders getroffen hätte. Ich hätte wohl große Karriere an der Uni machen können, schönes Haus im Taunus, dufte Pension und vielleicht noch Mann/Frau, die mich jetzt im Alter betüttelt. Dann gehe ich für eine kleine Weile rein in diese Gedankenwelt und langsam, langsam wird mir ganz schlecht, denn den Preis, den ich für diese wohlgestaltete Welt hätte zahlen müssen, wäre einfach zu hoch gewesen. Ich würde das Wesen im Spiegel doch gar nicht mehr erkennen. Dann atme ich tief durch, lache meinem jetzigen Spiegelbild freundlich zu, umarme die Frau von damals liebevoll und schwöre mir, dass ich nie wieder ein Fusselchen Energie in solch absurde Gedanken stecken werde. ... Bis zum nächsten Mal. Alles gut.

Aber, es gibt Situationen, Umstände, da hat man keine Wahl, Frau Müller!

Doch, du hast immer die Wahl. Du hättest dich doch auch verleugnen, anpassen, schleimend und kriechend dann verrecken können, oder? Manchmal ist uns diese Wahl gar nicht bewusst, weil wir sie nicht sehen können, weil wir ganz bei uns sind. Ja, es gibt Lebensumstände, in denen uns die Gesellschaft und die Verhältnisse begrenzen, ausbeuten, misshandeln. Daran kann man in konkreten Situationen oft nichts ändern. Aber, was wir daraus und damit machen, wie wir das Geschehen wahrnehmen, das ist ganz alleine unsere Entscheidung. Hinein geboren, zum Beispiel in Armut, Elend, Dreck und Krieg kannst du dich all dem ergeben und elendig sterben dran, oder du wehrst dich, strebst und kämpfst dafür, diese Rahmenbedingungen langfristig zu verändern. Manchmal verreckst du dann auf diesem Wege auch. Aber, ich, ganz für mich, würde es nicht mehr ein "elendiges" Sterben nennen und könnte mich auch im Tod noch liebevoll umarmen für meine Entscheidungen. 

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