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16.07.17

Du bist nicht allein

„Du bist nicht allein! Jesses, wie mich dieser Satz als pubertierendes Wesen manchmal angekotzt hat, wurde er mir doch liebevoll in Momenten zugeworfen, in denen ich mich gerade so wohlig in meinem Selbstmitleid und Weltenschmerz (Hesse lässt grüßen) eingerichtete hatte, so dass mir die freundlich mit diesem Satz gereichte Hand eher wie ein Angriff denn wie eine freundliche Geste erschien. In solchen Momenten verweigerte ich mich jeder Vernunft und litt, litt, litt tapfer weiter.“

Diese Momente sind seltener geworden mit den Jahren. Ich hatte das Glück, dass ich mitten in der Frauenbewegung und in einem Workshop Hype zur Frau heranwuchs. Die wichtigste Erkenntnis damals: Ich bin nicht allein! Nicht allein mit meinem SoSein, nicht allein mit meinen verwirrten Gefühlen, nicht allein mit meinen Träumen und Wünschen, nicht allein mit meiner Wut und meiner Trauer, nicht allein mit meinen Körpergefühlen, nicht allein mit meinen Zweifeln, meinem sich gerade aufbauenden Weltbild, nicht allein mit meiner Geschichte, nicht allein mit meinen Sehnsüchten und Begierden … .

Dieses damals erlebte Gefühl trug mich durch all die Höhen und Tiefen meines bisherigen Lebens, trägt mich heute und wird mich sicher auch in Zukunft tragen. 

Ab und an erlaube ich mir jedoch auch immer noch, dieses Gefühl ganz weit von mir zu weisen und mich hingebungsvoll in einen umfassenden Weltschmerz fallen zu lassen. Dann weine, schreie, tobe ich innerlich, manchmal auch laut nach außen. Gebe mich vollkommen hin und aus und tauche nach einer Weile erschöpft, gestärkt und gereinigt wieder auf.

Das aktive Händeln der eigenen Gefühlswelt erlebe ich als Freiheit.

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