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16.07.17

Du bist nicht allein

„Du bist nicht allein! Jesses, wie mich dieser Satz als pubertierendes Wesen manchmal angekotzt hat, wurde er mir doch liebevoll in Momenten zugeworfen, in denen ich mich gerade so wohlig in meinem Selbstmitleid und Weltenschmerz (Hesse lässt grüßen) eingerichtete hatte, so dass mir die freundlich mit diesem Satz gereichte Hand eher wie ein Angriff denn wie eine freundliche Geste erschien. In solchen Momenten verweigerte ich mich jeder Vernunft und litt, litt, litt tapfer weiter.“

Diese Momente sind seltener geworden mit den Jahren. Ich hatte das Glück, dass ich mitten in der Frauenbewegung und in einem Workshop Hype zur Frau heranwuchs. Die wichtigste Erkenntnis damals: Ich bin nicht allein! Nicht allein mit meinem SoSein, nicht allein mit meinen verwirrten Gefühlen, nicht allein mit meinen Träumen und Wünschen, nicht allein mit meiner Wut und meiner Trauer, nicht allein mit meinen Körpergefühlen, nicht allein mit meinen Zweifeln, meinem sich gerade aufbauenden Weltbild, nicht allein mit meiner Geschichte, nicht allein mit meinen Sehnsüchten und Begierden … .

Dieses damals erlebte Gefühl trug mich durch all die Höhen und Tiefen meines bisherigen Lebens, trägt mich heute und wird mich sicher auch in Zukunft tragen. 

Ab und an erlaube ich mir jedoch auch immer noch, dieses Gefühl ganz weit von mir zu weisen und mich hingebungsvoll in einen umfassenden Weltschmerz fallen zu lassen. Dann weine, schreie, tobe ich innerlich, manchmal auch laut nach außen. Gebe mich vollkommen hin und aus und tauche nach einer Weile erschöpft, gestärkt und gereinigt wieder auf.

Das aktive Händeln der eigenen Gefühlswelt erlebe ich als Freiheit.

13.07.17

Männer sind anders. Frauen auch.

Erinnerung ->

Einkaufen gehen. Hemden. Für ihn. Was für eine Vorfreude. Ich malte mir aus, dass wir den ganzen Tag durch Geschäfte stöbern und mindestens hundert Hemden anprobiert würden. Wir lecker Mittagessen und dann am Nachmittag noch ins Café, dort ausführlich bequatschen, welches Hemd uns am besten gefallen hätte, um es dann schlussendlich begeistert gegen Abend zu kaufen.

Das würde ein affengeiler Hammertag werden!

Und was war: Rein ins erste Geschäft. Er läuft schnurstracks auf die Hemden zu, schaut sich die Größe an und sagt: Passt! Ab zur Kasse und das war es. Meine Kinnlade hing den ganzen Tag auf Kniehöhe. *grummel

Ich habe in meinem Leben bisher nur zwei männliche Wesen kennengelernt, mit denen Shoppen gehen wirklich ein Highlight war und fast in die Nähe der vergnüglichen Qualität solcher Events mit meinen Freundinnen kam.

07.07.17

Gewalt ist...

„Gewalt ist keine Lösung. Niemals! Gewalt erzeugt nur wieder Gewalt. Immer!“
„Ja.“

Und dann steht dieser dreißigjährige Rotzlöffel vor dir und plustert sich auf und macht auf dicke Hose und schafft sich selbst immer tiefer rein in gewaltbereite Aggression mit seinen herausgegeiferten Sprüchen und verallgemeinernden Anklagen. Du weißt, dass es nur noch Sekunden dauern wird, bis er zuschlägt. Du weißt, dass dein sich senkender Blick, deine hängenden Schultern, deine sich ankündigenden Tränen nur Futter für seine Verachtung dir und sich selbst gegenüber sein würden. Er wird zuschlagen. Er muss zuschlagen. Also richtest du dich auf, verkrallst dich in seinen Blick und schlägst zu. Gezielt. Brutal. Rücksichtslos.

Gewalt ist keine Lösung. Ja. Aber manchmal rettet sie dir deinen Arsch und manchmal auch das Leben.

Ein Dilemma, dass ich bis heute für mich nicht lösen konnte. 

05.07.17

Wege. Abzweigungen.

Menschen, die ich seit frühster Jugend kenne, haben auf ihrem politischen Weg andere Abzweigungen als ich genommen. So sind viele in die Parteipolitik gegangen. Das ganze Spektrum. Wir haben uns manchmal für eine lange Weile aus den Augen verloren und dann ab und an, auch im politischen Alltag, wieder getroffen. Es gab und gibt mit einigen immer noch produktive und spannende Schnittstellen.

Und dann gibt es diejenigen, für die gelten, immer noch und mehr denn je, diese Zeilen:

„Dann bist du vollgefressen und satt, weil du ein Teil von dem geworden bist, wogegen du dich mal voll mit jugendlich zornigem Gerechtigkeitsgefühl gewehrt und mit Freunden gekämpft hast. Und eines Tages wirst du in den Spiegel schauen und dich nicht wiedererkennen und dann wirst du kotzen vor ekelgetränkter Scham und falsche Freunde werden dir eilig den Sabber vom Mund wischen und dir noch ein, zwei Häppchen nachreichen, die du, verblendet und gierig voll ungestilltem Hunger nach dir selbst, doch wieder schluckst.“

Macht mich das traurig? Nein, eigentlich nicht. Es gab so viele Momente, wo eine andere Entscheidung möglich gewesen wäre. So stehe ich nur am Rande und schaue und bezeuge.