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13.05.17

Delilah

Meine Erinnerungen an dieses Lied: Schulausflug, etwa 6/7. Klasse, irgendwo in den Alpen. Jungs und Mädchen in getrennten Zimmern, klar. Ich war bettlägerig, warum weiß ich nicht mehr, und lag den ganzen Tag alleine im Zimmer rum. Ein Mitschüler, Francesco, ein kleiner, unbedarfter Charmeur, brachte mir heimlich Blümelchens und einen kleinen Kassettenrekorder. Da ich oben im Stockbett lag, legte er sich zu mir und wir hörten Tom Jones, dieses Lied, rauf und runter. Die Lehrerin kam rein und bekam einen Herzkasper. Es muss zu mächtig Trubel im Lehrerkollegium geführt haben und die Telefonleitungen sind wohl heiß gelaufen. Folge war, dass wir ab da an nur noch nach Geschlechtern getrennt Ausflüge und Wanderungen machten, immer eine Lehrkraft zur Zimmerkontrolle verdonnert war, und auch auf der Heimfahrt im Zug strenge Trennung herrschte. Danach Elternabend und Elterngespräche hoch zehn. Ich hatte damals den Grund der Aufregung nicht so wirklich verstanden. Er war doch einfach nur mitfühlend und freundlich gewesen und mir hat es gut getan. Ich fühlte mich missverstanden, nicht wahrgenommen und verletzt von den Erwachsenen.

Zufall, vielleicht, dass ich den Jungen, mit dem ich ja nie „gegangen“ war, nach der gemeinsamen Schulzeit völlig aus den Augen verlor. Doch dann, mehr als ein Jahrzehnt später, nach einer geraden erlebten Vergewaltigung, lief ich mitten in der Nacht ziel- und kopflos durch die Frankfurter Straßen und wer hielt an, sammelte mich ein und brachte mich zu meiner besten Freundin? Francesco!

Ich habe ihn dann noch einmal vor ein paar Jahren wieder getroffen. Er hatte mittlerweile auch große Kinder und war Besitzer einer gut gehenden Metzgerei in Frankfurt.  Die Wärme in seinem Blick war immer noch die gleiche.

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