xxx

xxx

31.05.17

Reha

Kein großer Bericht hier an dieser Stelle über die Reha. Gehört nicht ins Öffentliche. Vielleicht so viel, dass ich mit 500 bis 800 Schritten hier ankam und heute wohl die 12000 knacken werde. Es bleibt jedoch die Frage, ob ich vor mir weg oder zu mir hin laufe. Die kommende Zeit wird es zeigen.

Ein bissl mäkeln auf hohem Niveau: Die verdammten Zimmer hier haben keine Fliegennetze. Also erstickst du entweder im permanent geschlossenen Raum (Oh, ihr wisst gar nicht, wie man sich als Asthmatikerin da hinein steigern kann. Großes Kino, ganz großes Kino!) oder du kämpfst einen aussichtslosen Kampf gegen Viecherln. Massen von Viecherln. 

14.05.17

Sprachlosigkeit

Sprachlosigkeit. Trotz viel Gequatsche, Alltagslogistik, Absprachen. Man spricht miteinander und sagt sich doch nichts. Beziehungsschweigen. Dieses Erstaunen, wenn sie sich dann nach Jahren, Jahrzehnten wieder zuzuhören lernen. Diese Überraschung, sich selbst dem anderen in neu gefundener Sprache verständlich machen zu können, den anderen in und durch Sprache wiederzufinden. Es überrascht und begeistert mich jedes Mal wieder aufs Neue. 



13.05.17

Delilah

Meine Erinnerungen an dieses Lied: Schulausflug, etwa 6/7. Klasse, irgendwo in den Alpen. Jungs und Mädchen in getrennten Zimmern, klar. Ich war bettlägerig, warum weiß ich nicht mehr, und lag den ganzen Tag alleine im Zimmer rum. Ein Mitschüler, Francesco, ein kleiner, unbedarfter Charmeur, brachte mir heimlich Blümelchens und einen kleinen Kassettenrekorder. Da ich oben im Stockbett lag, legte er sich zu mir und wir hörten Tom Jones, dieses Lied, rauf und runter. Die Lehrerin kam rein und bekam einen Herzkasper. Es muss zu mächtig Trubel im Lehrerkollegium geführt haben und die Telefonleitungen sind wohl heiß gelaufen. Folge war, dass wir ab da an nur noch nach Geschlechtern getrennt Ausflüge und Wanderungen machten, immer eine Lehrkraft zur Zimmerkontrolle verdonnert war, und auch auf der Heimfahrt im Zug strenge Trennung herrschte. Danach Elternabend und Elterngespräche hoch zehn. Ich hatte damals den Grund der Aufregung nicht so wirklich verstanden. Er war doch einfach nur mitfühlend und freundlich gewesen und mir hat es gut getan. Ich fühlte mich missverstanden, nicht wahrgenommen und verletzt von den Erwachsenen.

Zufall, vielleicht, dass ich den Jungen, mit dem ich ja nie „gegangen“ war, nach der gemeinsamen Schulzeit völlig aus den Augen verlor. Doch dann, mehr als ein Jahrzehnt später, nach einer geraden erlebten Vergewaltigung, lief ich mitten in der Nacht ziel- und kopflos durch die Frankfurter Straßen und wer hielt an, sammelte mich ein und brachte mich zu meiner besten Freundin? Francesco!

Ich habe ihn dann noch einmal vor ein paar Jahren wieder getroffen. Er hatte mittlerweile auch große Kinder und war Besitzer einer gut gehenden Metzgerei in Frankfurt.  Die Wärme in seinem Blick war immer noch die gleiche.

11.05.17

Einen Unterschied machen

Du sagst ein x
entspannt und ganz bei dir
und viele schreien: Genau dieses wie meins
Du sagst, zu deinem x gehöre aber noch ein y
und der da nickt und die und der dazu

Du denkst ne Weile nach
ziehst von allem noch ein z
damit es rund
und viele wackeln weise
bejahend mit den Köpfen laut

Du nimmst den Mut in beide Hände
sagst, dass dies nun gar nicht wahr
das Gegenteil viel eher dein
nicht mal eine Sekunde Stille
dann: Wir stimmen ganz und gar mit dir

Du möchtest gar nicht sein wie alle
nur etwas ganz Besonderes
doch alles tausendmal gedacht, getan
von ihr und ihm, und dem und denen dort
bist Teil nur einer Lade, gepackt, sortiert und eingereiht

Du schreist nun Nein, wenn alle andren nicken
rufst Ja, wenn alle sagen Nie
und bleibst doch nicht allein im Gegenteil
die Beliebigen, sie kreiseln dich auch dorten
malen Ihre Bilder in dein Sein

Sie schmeicheln dir dann, er oder sie
Du, du bist mein so wie du bist ganz gut
wenn nur ein wenig mehr von diesem und jenem auch
nur du ist uns zu wenig, davon hatten wir schon zu viel
und du möchtest doch nur einzigartig sein

Doch, nur, eben, drum

Einen Unterschied machen
kannst du nur für dich allein

10.05.17

Telefonservice

Ich hasse es, wenn ein männliches Wesen mir am Telefon Technik erklärt und ich nix kapiere und der immer genervter und seine Sätze immer kürzer werden. So als wäre ich einfach nur deppert oder senil. Ich habe dann (okay, vielleicht leicht hysterisch wirkend) gesagt, ich wolle jetzt auf der Stelle mit einer Frau sprechen, sonst würde ich auflegen und sofort den Anbieter wechseln, denn da wüsste ich zumindest, ohne noch schnell ein Spezialstudienfach mit summa cum laude abschließen zu müssen, wie Ummeldung funktioniert. Er wurde dann ganz lieb und hat mich mit einem weiblichen Wesen verbunden. Wir haben reizend miteinander geplaudert und dabei quasi nebenbei die technischen Fragen so geklärt, dass ich zu vollster Zufriedenheit mit den, ausnahmsweise kostenlosen!, Angeboten und gut informiert auflegen konnte.

*Anmerkung
Nein, ich meine das nicht diskriminierend! Ich hatte auch schon ganz entzückende männliche Berater am Telefon. Aber manchmal, in absoluten Stresssituationen, hilft mir der Wechsel des Geschlechts ganz prima. Ich erlaube mir das dann einfach und bleib wohlwollend mit mir.

08.05.17

Smalltalk

"Als ich mich selbständig machte, hatte ich nichts als meine Intelligenz."
"Boah, mit so wenig haben Sie angefangen?!"
… … …
„Smalltalk, Frau Müller, das üben wir noch, oder?“
 „In diesem Leben? Ich denke eher nicht.“

*Anmerkung
Das ist nur ein Aufhänger. Smalltalk bedeutete in meinem Leben bisher immer ein Parcours um Fettnäpfchen herum und dann mittenrein. Ich bin dafür nicht geschaffen, ich mache meistens nach kurzer Zeit eine Punktlandung da, wo es bei meinem Gegenüber zwickt und knirscht. Das schreddert jede Party und jedes gemütliche Beisammensein. In privaten Kreisen habe ich mich dann immer lieber in die Küche zurückgezogen, zubereitet oder abgeräumt. Kommt auf einem Empfang aber nicht so gut, wenn ich der Bedienung das Tablett abnehme und den smalltalkenden Honoratioren Häppchen reich. Zumal, wenn ich der Grund für die Festivität bin. Ganz blöde Erinnerungen.

Zwei Dinge also auf die Prioritätenliste für das nächste Leben: Smalltalk und Streitkultur lernen!  … denkdenkdenk  … Das wird aber ein anstrengendes nächstes Leben. Können wir das überspringen? 

07.05.17

Loslassen

Las ich gerade einen Artikel über die Gedanken, die eine junge Frau beim Auflösen der Wohnung ihrer verstorbenen Eltern hatte. Ein Teil des Abschiednehmens. Der Gedanke, dass alle meine Möbel auf dem Sperrmüll landen werden, beunruhigt mich nicht. Da kommen die meisten eh her. Und alles andere? Dinge, einfach nur Dinge. Mein Herz hängt nur an ganz wenigen, weil sie sehr frühe Erinnerungen tragen. Meine. Keine Ahnung, was die Kinder je damit verbinden werden, oder auch nicht. Ich mache es ihnen einfach, da ich seit Jahren schon diesen ausmisten und verschenken Tick habe. Die Räume werden immer leerer, mein Kopf und meine Seele voller. Und die beiden nehme ich eh mit. Dann. Irgendwann.


03.05.17

Unerwiderte Liebe

Wenn es keinen Anfang geben wird, dann sind Worte oft nur stolperndes Tasten im Schmerz des Gegenübers.

Ich empfand diese Situationen immer als sehr unangenehm und belastend. Fühlte mich hilflos und manchmal in dieser Hilflosigkeit redend wie ein Wasserfall. Jesses, es machte meistens alles nur noch schlimmer, da meine Erklärungen Nähe herstellten und verquerte Hoffnungen nährten.

Gerichtete Liebe und personalisiertes Begehren lassen sich nicht zwingen und auch nicht herbeireden. Oft könnte ich das Nichtvorhandensein derselben nicht mal begründen. Es ist einfach nichts da in mir. Wie könnte ich für dieses Nichts Worte finden?

Schweigen oder sich erklären, das Ergebnis bleibt sich in einem Punkte gleich: Das Gegenüber bleibt sitzen auf seiner nicht erwiderten Liebe und seinem Begehren und seiner Sehnsucht.

Warum rede ich dann? Weil ich denn Schmerz meines Gegenübers ja kenne und weil da immer eine andere Art von Liebe und Wohlwollen zu diesem einen besonderen Menschen als Mensch vorhanden ist. Wie lässt man jemanden alleine, ohne ihn allein zu lassen?

Ich liebe und begehre dich nicht.
Ich achte und liebe dich als Mensch, so wie ich alle Menschen achte und liebe.
Ich weiß um deinen Schmerz.
Ich kann dir nicht helfen in diesem deinen Schmerz, da ich ja verursachender Teil von diesem bin.
Es ist deine Liebe, dein Begehren und dein Schmerz. Nur du weißt, was sie dich lehren können und nur du weißt mit ihnen umzugehen.

Es ist eine Scheißsituation. Immer wieder und wieder. Punkt.