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20.04.17

Zielsetzungen?

"Wenn Sie auf einmal stinkreich wären, Frau Müller, was würden Sie machen?"

"Ups. ... hmmm ... ich würde zuerst ans Meer fahren, solange, bis ich satt davon wäre. Dann würde ich ein Haus kaufen für meine Lieben, mit einer Wohnung für mich dabei, an einem Ort, der es mir erlauben würde, völlig unabhängig einzukaufen und Freizeitvergnügen nachzugehen. Und dann würde ich ein Kinder- Jugend-, Elternhaus aufmachen und dort alle Ideen und Konzepte für Kinder, Jugendliche und deren Begleitpersonen mit ausgesuchten Menschen umsetzen. Ohne jedwede staatliche oder sonstige Förderung. Völlig unabhängig. Zugänglich für alle, die es möchten. Wenn ich dann noch Zeit und Energie hätte, dann würde ich sonstige Projekte ankurbeln und/oder fördern, die das gemeinsame und friedliche Zusammenleben von Menschen fördern. Ich glaub, mehr würde ich nicht schaffen, man wird ja auch nicht jünger."


Ist ja Quatsch, so viel Geld werde ich in diesem Leben nie mehr bekommen. ... ... ... ... ... ... ... *denkdenkdenk ... ... ... Wieso eigentlich Quatsch? ... Drei schöne Ziele für die nächsten Jahrzehnte. Und Finanzierung? Schauen wir mal. Schritt für Schritt.  

Kaskaden

Es ist kalt, es regnet, es schneit und ich heul rum. Anscheinend ist mir im Winter kein dickes Fell gewachsen, so dünnhäutig bin ich zurzeit. Was sind das bloß für Tränen, die sich da kaskadenartig ergießen? Konkrete Anlässe? Keine wirklich relevanten. Es scheint, als habe sich im Laufe der Jahre zu viel Unbeweintes angesammelt und meine nun, es müsse sich im Schwall ergießen.  Vielleicht ist es auch eine körperliche Reaktion auf all die Gedanken über Altern und Tod und das immer noch fortbestehende Hadern darob. Oder die Erkenntnis, dass so Vieles abgeschlossen ist, die Kinder groß und selbstversorgend, die gesetzten Ziele erreicht, neue Setzungen nicht in Sicht. Es könnte auch die Erfahrung sein, dass ich es genieße, nichts mehr tun zu müssen, kein eiferndes Wollen mich treibt und ich diesen Zustand ein klein wenig genieße und es mir doch noch nicht zugestehen mag. Ich weiß es einfach nicht. Und so rollen die Tränen an den unmöglichsten Orten und Zeiten und… und ich fühle mich zum ersten Mal in diesem Leben ein wenig hilflos staunend ob meiner selbst. 


15.04.17

Where children sleep

Wenn ich mich richtig erinnere, dann hatte ich mit 12/13 Jahren zum ersten Mal ein eigenes „Kinderzimmer“. Davor hatte ich meistens irgendwelche, ständig wechselnde, klitzekleine Eckchen in den von Erwachsenen bewohnten Räumen. Das späte eigene Zimmer war dann aber nicht gemütlich und irgendwie auch nicht „meins“, denn meine Pflegemutter bestimmte bis zu meinem Auszug mit 15, welche Möbel darin standen, welche Ordnung zu herrschen hatte und wie es zu gestalten sei. Es sah aus wie ihr eigenes Wohnzimmer, kein Spielzeug, kein Schnickschnack, nichts durfte rumliegen. Aber immerhin gab es einen eigenen Schreibtisch und! eine alte Schreibmaschine.  Ich glaube, ich habe mit Selbstmord drohen müssen, bis ich, versteckt hinter der Tür, ein Winnetou Plakat aufhängen durfte.

Das alles prägte mich und hat Auswirkungen bis heute:

Egal wo ich später, unter welchen Umständen auch immer, lebte, ich schaffte mir im kleinsten Raum, an unmöglichen Orten durch Kleinigkeiten (z.B. gesammelte Steine, Zweige, Figürchen, Bücher) „meinen“ Raum.

Noch heute gehe ich durch meine Wohnung und mich erfüllt ab und an ein kindliches Glücksgefühl und ein eben solches Staunen ob der Tatsache, dass ich hier gerade so wohne, wie ich wohne.

Gleichzeitig fehlt mir jedoch auch eine Bindung an „Dinge“. Es sind nur Kleinigkeiten, an denen mein Herz ein wenig hängt. Meint, ich habe oft Wohnungen, die ich selbst eingerichtet hatte, verlassen und nichts mitgenommen, außer einer Tasche oder einen Rucksack. Oder ich verschenk(t)e Dinge aus meinem Wohnbereich, wenn jemand etwas braucht, weil ich brauche es ja nicht unbedingt.

Auch wenn ich es mir oft im Leben hätte finanziell leisten können, so habe ich doch sehr selten ein neues Möbelstück gekauft. Ich gebe lieber ausrangierten oder weggeworfenen Teilen ein vorübergehendes Zuhause und hüpf dann rum vor Glück, weil sie so gut passen.  

Die Räume, in denen man als Kind lebt, machen etwas mit einem. Ob man will oder nicht. So, oder so. 

Schöne Fotoserie von Herrn Mollison ->  Where children sleep

14.04.17

Österliche Gedankensplitter

Ich kann mit Ostern nichts anfangen. Konnte ich als Kind schon nicht. Da meine Tante Hühner hatte, wusste ich, woher die Eier kamen. Und die Stallhasen im Garten meines Opas fütterte und pflegte ich auch. Die Osterhasen Geschichten hatten deshalb nichts Magisches, sondern waren einfach unlogisch in meinem Verständnis und ich tat sie als Quatsch ab. Die Erzählung von dem jungen Mann jedoch, dessen Vater, obwohl er so mächtig war, ihn einfach am Kreuz elendig verrecken ließ, verstand ich nicht. Sie machte mir Angst. Er ließ ihn, in meinem kindlichen Verständnis, einfach sterben. Warum? Weil andere sich nicht an seine Regeln und Gebote hielten? Du lässt dein Kind sterben für den Mist, den andere machen? Und holst ihn dann wieder von den Toten zurück, damit er wieder zu dir kommt und brav neben dir sitzt? Ich fand das überaus beängstigend, grausam und schrecklich ungerecht.

Im Laufe meines Lebens habe ich mich dann auf vielen Ebenen mit den biblischen Texten, den Auslegungen, den soziokulturellen und historischen Zusammenhängen, der Religion- und Kirchengeschichte und den Fragen des Glaubens und seinen Funktionen auseinandergesetzt. Ich sammelte Wissen, verstand viel und wurde kritischer, aber auch zum Teil wohlwollender, den Menschen und ihren diversen Glaubenskonzepten gegenüber.

All das hat jedoch anscheinend ganz tief in mir drinnen nichts an der fest sitzenden kindlichen Überzeugung, dass da ein böser, alter, mächtiger Mann mit seinem Kind ein unfaires Spiel gespielt hat, geändert. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass ich meinen Kindern niemals die Ostergeschichte näher bringen konnte und wollte. Es hatte mir schon gelangt, dass meine kleine Tochter beim ersten Besuch im Frankfurter Dom in heftige Tränen ausbrach und völlig verzweifelt vor dem Gekreuzigten stand und nicht verstehen konnte, wie man einen Menschen anbeten konnte, der gerade solche Schmerzen litt. Dem wollte ich nicht auch noch die Geschichte des versagenden Vaters hinzufügen. Also war Ostern für uns eher ein Fest des Frühlings, des Tanzes und der Freude am Leben. Ja, Schokolade gab es auch.