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27.08.16

Roter Faden

Die Geschichte mit dem Faden und dem Labyrinth hat mich als Kind sehr beeindruckt. In meiner kindlich verworrenen Vorstellung war er tiefrot, konnte einfach nur in diesem brennenden Rubinrot daher kommen. Als ich dann zum ersten Mal Tampons benutzte, verunsicherte mich deshalb die Farbe des Fädchens irgendwie sehr. Es versprach keine gesicherte Rückkehr. Ariadne verlor mein kindliches Vertrauen. Mein Körper erschien mir auf einmal wie eine verschachtelte Höhlenansammlung, mit ganz eigenen, mit mir nicht geteilten Gesetzen. Und so, mir heute völlig unverständlich, gebar sich aus blutroten Fäden, labyrinthischer Unaufgeklärtheit, körperlichem Höhlensystem und tobenden Hormonen in meinem Kopf die irrwitzige Idee, dass, wenn ich nicht aufpassen würde, das Ding bis in meine Kehle durchwandern könnte. Auch gemeinsam zelebrierte Untersuchungen, mit Spekulum und Spiegel bei psychedelischen Klängen im Frauenkreis, konnten diese innere Gewissheit nicht aufweichen. Bei jedem Schluckauf rannte ich voller Panik zur nächsten Toilette und fuschelte nach dem Falschfarbenfaden. Es dauert sehr lange, bis mein innerer Gewissheitenverwalter, der auch heute noch die größten Dämlichkeiten niemals kampflos hergeben würde, so langsam verstand, dass da kein Durchkommen war. So richtig geschlagen gab er sich aber erst bei der Geburt meines ersten Kindes: Ich konnte den Kleinen wirklich nicht rausrülpsen.   

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