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27.08.16

Roter Faden

Die Geschichte mit dem Faden und dem Labyrinth hat mich als Kind sehr beeindruckt. In meiner kindlich verworrenen Vorstellung war er tiefrot, konnte einfach nur in diesem brennenden Rubinrot daher kommen. Als ich dann zum ersten Mal Tampons benutzte, verunsicherte mich deshalb die Farbe des Fädchens irgendwie sehr. Es versprach keine gesicherte Rückkehr. Ariadne verlor mein kindliches Vertrauen. Mein Körper erschien mir auf einmal wie eine verschachtelte Höhlenansammlung, mit ganz eigenen, mit mir nicht geteilten Gesetzen. Und so, mir heute völlig unverständlich, gebar sich aus blutroten Fäden, labyrinthischer Unaufgeklärtheit, körperlichem Höhlensystem und tobenden Hormonen in meinem Kopf die irrwitzige Idee, dass, wenn ich nicht aufpassen würde, das Ding bis in meine Kehle durchwandern könnte. Auch gemeinsam zelebrierte Untersuchungen, mit Spekulum und Spiegel bei psychedelischen Klängen im Frauenkreis, konnten diese innere Gewissheit nicht aufweichen. Bei jedem Schluckauf rannte ich voller Panik zur nächsten Toilette und fuschelte nach dem Falschfarbenfaden. Es dauert sehr lange, bis mein innerer Gewissheitenverwalter, der auch heute noch die größten Dämlichkeiten niemals kampflos hergeben würde, so langsam verstand, dass da kein Durchkommen war. So richtig geschlagen gab er sich aber erst bei der Geburt meines ersten Kindes: Ich konnte den Kleinen wirklich nicht rausrülpsen.   

26.08.16

Herzschmerz

„Mein Herz schmerzt.“

„Dann geh zum Kardiologen.“

„Und der rettet dann die Welt, beendet all das Elend, Leid, die Dummheit? Ist der Supermann?“

20.08.16

Verschleierungsgedöns

Mal Klartext von meiner Seite: Ich lehne das ganze Verschleierungsgedöns als vorgeschriebene Kleidervorschrift absolut ab. Und ich weiß, wovon ich spreche, denn ich war im Iran, als eine sichtbare Haarlocke locker auch ein Todesurteil bedeuten konnte. Ich lehne es ab, wenn Frauen dazu gezwungen werden den Mist zu tragen um der verquasten Ehrbarkeit des männlichen Teils der Familie Genüge zu tun. Ich lehne es ab, wenn das Tragen als Herrschafts-/Unterdrückungs-/Demütigungsinstrument eingesetzt wird, weil das kleine Männchen sich sonst vor der, nicht zu Unrecht vermuteten, ungezügelten Frauenpower vor Angst in die Hose kackt. Ich lehne es ab, wenn irgendwelche Religioden meinen ihre Selbstzweifel und  Minderwertigkeitskomplexe mit dem Schleiergebot verschleiern zu müssen. Aus diesen und noch einigen anderen Gründen lehne ich ein Verschleierungsgebot ab. Punkt.

Aber!, (ja ich kann auch in aber) die, die sich da jetzt aufplustern für die Gleichberechtigung und Freiheiten der Frauen, das sind doch genau diejenigen, die mich seit Jahrzehnten als Frau, mit ganz eigenen Vorstellungen über das Leben, nerven, diskriminieren und klein halten wollen. Die sich, seitdem ich denken kann, eifrig darum bemühen mir einzureden, wie sich eine richtige Frau oder Mutter zu verhalten, zu kleiden, zu pupsen hat. Das sind doch genau diejenigen, die sich immer wieder in ihrem Hass auf jedwedes AndersSein moralintriefend ereifern und alles kontrollieren und zu Tode regeln wollen. Die alles, was mir Lebensfreude, tiefe Befriedigung und Selbstverwirklichung verheißt, mit Regeln, Geboten, Gesetzen und Verordnungen in den Boden stampfen. Von denen, exakt von den laut geifernden, zumeist männlich selbstherrlichen Despoten, würde ich mir nicht mehr sagen lassen, was für mich richtig und was falsch sei, denn, unterm Strich kommen genau sie aus der gleichen Ursuppe wie die Verschleierungsfanatiker. Bäh. Pfui Deibel.

Wenn betroffene Mädchen und Frauen, und ja auch Männer, sich wehren gegen das Gebot der Verschleierung, dann hatten und haben sie meine volle und ganze Unterstützung. Mit ihnen diskutiere, streite, wachse ich. Wenn meine Schwester meint, sich verschleiern zu müssen, dann höre ich ihr gut zu und bringe mich mit meinen Argumenten ein. Aber, ich werde ihr nichts verbieten. Ich werde da sein und sie wieder und wieder in den Arm nehmen, sie gegen Übergriffe mit allem was ich bin und kann verteidigen und nicht nachlassen, mit ihr über das Tragen von Schleier und Dingens zu streiten. So, und nur so, fühlt es sich für mich richtig an. 

19.08.16

Arbeitswoche

Letzter Arbeitstag der ersten Woche. Subjektives Resümee: Nicht einfach nach zwei Jahren ausschließlich selbstbestimmtem Arbeitsrhythmus wieder in vorgegebenen Arbeitszeiten zu stecken. Mein kreativer Anteil sträubt sich doch sehr und zieht Schnütchen. Unterm Strich mag er es lieber eine klare Zielvereinbarung zu haben und unabhängig im eigenen Tempo in time die Ziellinie zu erreichen. Bin ich eindeutig produktiver. Mal sehen, ob ich da in den nächsten Wochen eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Mischung hinbekomme. Das andere: Vorstrukturierter Arbeitsalltag benötigt andere Variablen/Möglichkeiten der „Freizeitgestaltung“. Das Leben auf dem Dorf ist da irgendwie ausgesprochen hinderlich. Wir werden sehen. 

15.08.16

Neuer Job

Aus dem Bett gefallen. Erster Arbeitstag heute in einem neuen Projekt. Aufregend. Aufgeregt. Werde vielleicht drei, vier Minuten zu spät kommen. Die Öffentlichen. Und Schulferien. Kein Schulbus. Ohne Auto biste wirklich verratzt auf dem Dorf. Vorfreude. Ja, es überwiegt die Freude und die Neugierde. 

12.08.16

Strümpfe

Es gibt so Geschichten, die sind soooo peinlich, weil ich ab und an einfach total verpeilt bin:

Kommt ein Päckchen, macht Frau Müller auf. Sind Stützstrümpfe drin. Ach, hab ich die bestellt? Kann mich gar nicht dran erinnern. Kommt vor. Das Alter? Warum sind die denn so groß? Da kann ich ja Bötchen drin fahren. Nun, zurück schicken. Oder ne, Herr Müller kann die bestimmt gut brauchen, jetzt nach den ganzen Operationen. Und dem lieben Mitbewohner was schenken, hach, das wärmt das Herz der Frau Müller. Noch ein schnuffeliges Zettelchen mit Küsschen dazu geschrieben und rüber auf den Schreibtisch gelegt.

Kommt Herr Müller nach der Arbeit ins Zimmer gerauscht:

„Ach, machen Sie jetzt auch schon meine Post auf?“

Ähm. Ne. Oder?

„Ich habe mir die Strümpfe gestern bestellt, die sind ja schnell angekommen.“

Oh, oh, oh, wo ist das Mauseloch? Natürlich steht da „Herr Müller“ auf dem Päckchen und Frau Müller sollte endlich kapieren, dass sie nicht die alleinige Paket Empfängerin im Hause ist. Und ab und an mal lesen und/oder ihren Kopf einschalten. (Warum sollte ich mir auch solche Strümpfe überhaupt bestellt haben? *andenkoppklatsch)

11.08.16

Erinnerungsdschungel

Was seltsame Streiche uns unsere Erinnerungen spielen bzw. wie hartnäckig sich ein, warum auch immer gebasteltes, Selbstbild über Jahrzehnte halten kann. Da lauf ich jahrzehntelang durch die Welt mit der Vorstellung, dass ich zu Mathe nie, nie einen besonders freundlichen Bezug gehabt hätte. Und heute kram ich auf dem Dachboden rum und finde eine Kiste mit all meinen alten Zeugnissen und guck auch noch rein: Bis zur zehnten Klasse wechseln sich im Rechnen Einser und Zweier ab. In der elften bis dreizehnten Klasse kommt in Mathe die Vier, aber in Buchhaltung und Wirtschaftsrechnen bleibt die Zwei. Was soll mir das denn nun sagen? Woher kommt bloß diese völlig falsche rückwirkende Umdeutung von mir? Welche Funktion hatte das einmal? Ich bin wirklich baff jetzt.

*Ergänzung Huch, in den naturkundlichen Fächern, die ich ja angeblich überhaupt nicht mochte und völlig blöd drin war (sagt mir meine Erinnerung), da stehen auch nur Einser und Zweier. ... Ich kapiere mich gerade nicht.

10.08.16

Alles neu

Neue Arbeit, neues Outfit. Neue Frisur. Macht Spaß!

Augenblicke
Wenn ich mich befreien kann
von den Sorgen und Nöten
einer ungewissen Zukunft
Wenn ich aufhöre denkend in allen
Eventualitäten des Kommenden zu kreiseln
Unwägbarkeiten nicht mehr in Stein meißle
Wenn ich Vergangenheit sein lasse
zweifelndes Misstrauen in Quarantäne schicke
mich ganz und gar dem Jetzigen zuwende
Dann schärfen sich alle Sinne und mein Herz
atmet Hoffnung im Sekundentakt
Für einen Augenblick 

09.08.16

Wespen und Wein

Unser Zierwein hat sich wohl aufgrund der tollen Mischung von Sonne und Regen in diesem Jahr explosionsartig vermehrt und massenhaft Scheinträubelchen produziert. Das ging wie ein Lauffeuer durch die Neuberger Wespenpopulation. Alle, alle sind jetzt bei uns im Garten. Ich habe so etwas noch nicht gesehen. Und die mögen es nicht, wenn man sich gemütlich zu ihnen setzt. Und gießen und spritzen können die schon gar nicht, da werden die richtig aggressiv. Alle Versuche, ihnen dieses Festmahl zu vergällen haben nichts gebracht. Und auf Friedensverhandlungen mit dem Ziel einer friedlichen Koexistenz lassen sie sich nicht ein. Unterhändler mit weißer Fahne wurden zuerst ignoriert und dann, beim zweiten Anlauf  quasi gekillt. Da wir den Garten aber auch mit kleinen Kindern nutzen wollen, habe ich heute damit angefangen, den Wein zu entfernen. Allerdings muss ich immer auf Regen warten, denn ansonsten stechen die mich. ...  Es tut mir im Herzen weh *snief. Aber, das ist mein Garten und den will ich auch nutzen *grummel 

02.08.16

Neue Aufgabe

War heute was? Ja. Bekam ich eine Anfrage, hatte ich ein Gespräch und heute einen Anruf. Arbeite ich ab Mitte August in einem neuen Projekt. "Unterstützte Beschäftigung". Für mich ein ganz neuer, wunderbarer Bereich. Fünf Menschen, die ich intensivst begleiten werde. ... ... ... ... Ich bin sechzig und ja, ich erlaube mir jetzt mal kurz stolz darauf zu sein, dass man mich da unbedingt dabei haben will. ... So, jetzt ist es aber auch wieder gut. ... Berge von Literatur, Papers, Berichte erwarten mich in den nächsten zwei Wochen. Und ich muss anfangen ein ganz neues Netzwerk im Raum Hanau aufzubauen.