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27.06.16

Ausgeglichen

Betriebsblindheit im eigenen seelischen Haus. Immer wieder eine irre Erfahrung. Das nächste Mal räum ich lieber wieder im Haus um, anstatt an die Haare zu gehen. Ging ja gar nicht. Die Nacht rumgetigert und dann festgestellt, dass Pumuckelrot einfach nicht zum Inneren gerade passt.
Also um sieben vor dem Supermarkt gestanden - Pauli hat sich ausgesprochen sehr gefreut über die andere Gassigehroute - und wieder dunkel eingefärbt. Ach und guck, auf einmal war alles klar und überhaupt nicht mehr kompliziert.
Manchmal könnt ich glatt an mir verzweifeln.
Warum macht man sich mit sechzig Jahren immer noch so nen Stress? *grummel
Hahaha, weil Leben nun mal so ist. Man, lieb ich dieses Weib im Spiegel.

26.06.16

Unausgeglichen

"Frau Müller, was machen Sie eigentlich schon den ganzen Tag?"
"Ich färbe an meinen Haaren rum."
"Oh, ist es mal wieder so weit, dass Entscheidungen anstehen und Sie nicht mit deren Findung vorankommen?"
"Gefunden hab ich schon. Ich mag das Gefundene nur nicht und versuch es wieder zu verlieren."
"Nun, das funktioniert so nicht. Wissen Sie ja auch."
"Eben. Drum färb ich halt rum."

17.06.16

Ein starker Bund

Inneres Kind und altes Weib,
sie teilen sich mit und miteinander
die Tränen und das Lachen,
ihre ungestillte Sehnsucht nach
Fürsorge und bedingungsloser Liebe.
Sie geben sich Geborgenheit,
passen aufeinander auf.
Schaffen Räume zum Tanzen,
Spielen und zornigem Sein.
Das Kind lehrt die alte Frau
den spielerischen  Zugang zum Leben.
Sie lehrt dem Kind, dass es wütend sein darf
ob all dem Gemetzel an seiner kleinen Seele.

Gemeinsam sind sie stark und federleicht zugleich. 




05.06.16

Blitzlicht

Mein Verstand und mein Körper sagen mir, dass ich es einfach nicht mehr schaffen werde eine vierzig Stunden Job mit langer Anfahrt mit den Öffentlichen durchzustehen. Doch da ist so ein Teil in mir, den ich nicht benennen kann, der wehrt sich mit Händen und Füssen gegen dieses Wissen und dreht völlig am Rad. Somit befinde ich mich in einem Zustand der NichtEntscheidungsFindung. Das ist so verdammt anstrengend. Aus Sicht der Vernunft war die Entscheidung, den Rat der REHA-Klinik zur Erwerbsunfähigkeit nicht anzunehmen, falsch. Aus Sicht des Akzeptierungsprozesses war es richtig, sich nicht da hinein drängen zu lassen. Denn so empfand ich es vor einem Jahr. Der Prozess ist jedoch noch im Lauf und eine Akzeptierung steht noch aus. Der Boden des Loches ist noch nicht erreicht und ich kann mich noch nicht nach oben kämpfen.

Gleichzeitig vermischen sich, irrationale?, Zukunftsängste mit Flashbacks aus der Vergangenheit zu einem undurchdringlichen Brei. Gefühlswellen schwappen über mich und ich bin so erschöpft durch die Versuche sie simultan richtig zuzuordnen, dass ich mittlerweile aufgegeben habe. Ich lasse mich einfach überrollen.

Alles ein derart völliges Chaos in mir. Halten wir das einfach hier mal fest. Es kann nur besser werden.

Lockende Stille

Es fällt mir mit zunehmendem Alter schwerer, die Dinge beim Namen zu nennen. Nicht, weil ich ihre Namen nicht wüsste, sondern weil ich sie schon so oft wiederholt habe. Die Quelle in mir, die mich all die vergangenen Jahrzehnte ermutigt hat, wieder und wieder geduldig die gleichen Sachverhalte aufzuzeigen, zu erklären, zu deuten, gluckert an manchen Tagen nur noch rinnsälig vor sich hin. Es kostet mich heute mehr Kraft als früher den zukunftstragenden Sinn hinter meinem Engagement zu erkennen und ihn als Motivationsbeschleuniger anzuzapfen. Es ermüdet, wenn man sieht, wie mühsam Entwicklung bei den Menschen läuft, wie träge Erkenntnis sich verbreitet und welchen depperten Abzweigungen und welchen erbärmlichen Rückschritten sich Menschlichkeit tänzelnd weltweit hingibt.

Auf der anderen Seite beschimpfe ich mich dann des Öfteren als anmaßend, lernte ich doch, dass man eigene Erfahrungen nicht eins zu eins an die Nachkommenden weiter geben kann, sondern jeder Mensch seine eigenen machen und selbstständige Schlüsse daraus ziehen können muss. Und dann schreibe und rede ich wieder in der Hoffnung, hilfreich kleine Puzzleteile zum eigenständigen Denken an die Hand geben zu können.

Jedoch ermüde ich schneller und lasse mich fallen in eine Stille in mir, die ich als wohltuend und schützend empfinde. Nur das Lächeln meiner kleinen Enkelin durchbricht diese Stille dann. Sie, mit ihren klugen fragenden Augen. Dann weiß ich sofort, warum ich die Namen der Dinge auch noch hunderttausend Mal wiederholen werde.