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20.05.16

Egoismus

„Sind Sie egoistisch, Frau Müller?“

„Also, ich bin jahrelang in frühen Jahren durch die Welt geschlurft mit der leicht leidenden Haltung einer vorgeblich ausgebeuteten Altruistin. Das unschuldige, es doch so gut meinende Opfer von Energie- und sonstigen Vampiren. Egoismus war damals eine Eigenschaft, die ich aus vollem Herzen von mir gewiesen hätte.
Dann habe ich in der Fortbildung eine Therapeutin kennen gelernt, die hat sich mein erbärmliches um Mitleid heischendes Gejammer drei Sitzungen lang angehört und mich dann vor versammelter Mannschaft auf Knien durch den Saal rutschen lassen um sie zu bitten, mir endlich den Kopf durchzupusten. Anschließend hat sie kaltschnäuzig und erbarmungslos mein inneres Bild von mir zerfetzt und ich lernte die Löwin in mir kennen und akzeptieren: Mein gnadenloser Altruismus, mein an Jede und Jeden im Gießkannenprinzip verteiltes Wohlwollen, mein harmoniebedürftiges Verständnis und meine unleugbar sehr ausgeprägte Empathie dienen eben auch dazu ein feines Netz der Macht in meinen Händen zu spinnen. Sicher ein liebevolles Netz, ja. Aber nichts desto trotz liegt die Löwin immer oben auf dem Felsen und hat alles im fürsorglichen Blick, ist Trägerin der Geheimnisse aller sie Umgebenden und nichts Grundlegendes geschieht ohne ihr Wissen. Und sie goutiert es. Unleugbar.

Sicher, ich bin egoistisch. Eine meiner Wahrheiten. Zu lernen galt und gilt, es reflektiert zu sein, aufmerksam und achtsam. Es offen zu benennen, wenn es notwendig ist. Sich selbst und den Anderen gegenüber auch in diesem Punkte ehrlich zu sein. Der Demut Raum zu geben/zu schaffen. Wobei ich ja glaube, dass dies eine ohne das andere eh nicht geht.“

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