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29.04.16

Tischgespräche

„Mit zunehmendem Alter verändert sich mein Körper. Zipperleins und Befindlichkeitsstörungen melden sich in kürzeren Abständen. Selbstheilungskräfte haben öfters Schluckauf an der Startlinie. Falten, Flecken, Kuhlen, dünneres Haar, hängendes Kinngeschwabbel und schwimmende Augen in der Früh schieben sich vergnügt tänzelnd in den Vordergrund. Alles wohl im Rahmen, alles normal, hört man.“

„Das haben Sie aber schön geschrieben, Frau Müller! Dann scheinen Sie ja endlich recht versöhnt mit dem Altern zu sein. Das ist doch gut!“

„Versöhnt? Sie haben doch nen Knall. Da ist nix mit versöhnt. Was für ein scheiß Gesäusel ist das überhaupt? Versöhnt, versöhnt, versöhnt. Gestern sagte mir die Dame beim Friseur kaltherzig, mit nicht zu überhörendem Hinweis auf ihr junges Alter im Nebensatz, ins Gesicht hinein, dass ich mir das Haarefärben für dieses Leben ab jetzt abschminken könne. Hielten die zimperlichen Haarwurzeln angeblich nicht mehr so gut aus. Die gäben dann nämlich auf! Ich glaub, ich spinne. Wie können die es sich erlauben aufzugeben? Sehe ich aus, als würde ich aufgeben? Pah!“

„Na ja, las ich nicht neulich in einer Zeitschrift, dass graue Haare der letzte moderne Schrei seien. Sie sollten sich freuen, Sie sind doch bald total  In.“

„Und Sie sollten nicht solch einen Schund lesen. Das ist ja erbärmlich mir nun ausgerechnet damit zu kommen. Ich ergraue mit jedem Tag mehr, finde dies nicht witzig und die vorgeblich damit verbundene Würde können Sie sich ja gerne in Ihre nicht vorhandenen Haare schmieren.“  


25.04.16

Der Bauch

Mir sagte vor Jahrzehnten mal ein sehr kluger Mann: "Wenn du einen Raum betrittst, sei es ein Zimmer oder ein riesiger Vortragssaal, dann nimmst du diesen Raum ein und ich kann sehen, wie sich in kürzester Zeit in deinen lebhaften Händen alle Fäden im Raum bündeln. Das gelingt dir immer. Egal ob du 50 Kilo oder 90 Kilo wiegst. Ob du gestylt bist oder auch nicht. Das ist einfach deine Art." ... Ich nahm diese Beobachtung ernst und hörte danach auf mich nach irgendwelchen fremden Ratschlägen zu richten. Mein Bauch, mal dünn, mal dick, mal quellend, mal gestählt wurde mein bester Ratgeber. Der Bauch (meine Intuition) wußte eigentlich immer, was er brauchte und was nicht, was angemessen war und was nicht. Ich wurde mir selbst zur Richtschnur und lebte recht vergnüglich die unterschiedlichsten Umfänge und modischen Ticks aus. Nur wenn mein Körper krank war/ist oder wenn meine Seele litt/leidet, dann entglitt/entgleitet mir dieses Bauchgefühl. Was letztendlich auch nicht schlimm war oder ist, denn dann wußte/weiß ich, ich muss inne halten und hinschauen.

Besser als jeder Diätenwahn: Lernt euren Bauch lieben und kennen und lernt, ihm aufmerksam zuzuhören. Er weiß Bescheid. Und er ist ein hartnäckiger Ratgeber :-)

Anmerkung: Ich konnte/kann weder mit dem öffentlichen Hochjubeln des Dünnseins noch mit dem Beklatschen des Dickseins etwas anfangen. Beides halte ich für verlogen und, letztendlich, für völlig belanglos. Es sollte niemanden tangieren. Der Dialog mit dem eigenen Körper findet nur zwischen dir und ihm statt und die  Verantwortung für das eigene Wohlbefinden liegt nur bei dir.

Meine Erfahrung: 1. Schritt -> Lern deinen Körper lieben, so wie er ist. 2. Schritt -> Hör ihm zu. Lerne seine Sprache. 3. Schritt -> 3.1. Was tut ihm gut? Was braucht er? 3.2. Was braucht deine Seele? Lerne zu unterscheiden und sorge für beide auf die ihnen angemessene Art und Weise. In der Regel klappt das dann alles sehr gut und die Ausschläge sowohl in das eine, als auch in das andere Extreme verflüchtigen sich von selbst.

23.04.16

Schlussworte

Ich habe Ihr so gerne zugehört. Eine Große.

Wegweiser: "Würdest du dich auch so entscheiden, wenn du wüßtest, dass du nur noch kurze Zeit zu leben hättest?"

Frau Birkenbihls Schlussworte

17.04.16

Hasten

Wir hasten, ohne zu rasten durch alle Altersstufen in der irrsinnigen Hoffnung, all das, was wir dabei auslassen, verdrängen, aufschieben, nicht angehen, irgendwann mal später in unserem Leben nachholen zu können. Wir rennen auf ein Ziel zu, dass es nur in unserer Fantasie gibt. Denn all diese Hasterei verändert uns und auf der imaginären Zielgerade stellen wir fest: Da ist keine Kraft mehr um all die tollen und auch die beängstigenden Dinge jetzt endlich anzugehen. Wir sind viel zu ausgelaugt und erschöpft, habe manche unserer Träume unterwegs verloren und der Berg der ausgelassenen Gefühle ist viel zu groß um ihn jetzt noch abtragen zu können. Der Tod schüttelt winkend den Kopf und denkt sich: „Sie werden es nie kapieren!“  

09.04.16

Erleichterung

„Hallo Mama!
So, nun ist es soweit. Damals, als du schwerkrank im Krankenhaus lagst, habe ich dir deinen aufgeblähten, mit Wasser gefüllten Bauch abgenommen. Damit du nicht mehr so schwer zu tragen hattest auf deinem letzten Weg. Ich versprach dir, dass ich ihn für dich bei mir behalten werde. Bis zu meinem sechszigsten Geburtstag. Der war gestern. Nun gebe ich ihn dir zurück und gehe unbeschwerter in meine nächsten vierzig Jahre. Hab es gut, wo immer du jetzt auch bist. Ja, ich hab dich lieb und ja, alles verziehen und alles vergeben. Schon lange. Bis dann.“

Imagination ist eine starke Kraft. Ich trug schwer an ihrem Bauch. Doch jetzt ist es gut.   

08.04.16

60

Vor Jahren geschrieben, hat sich bis heute nichts Wesentliches geändert. Obwohl, die sich häufenden Befindlichkeitsstörungen meines Körpers machen mich an manchen Tagen rasend und meine Geduld mit der Dummheit der Menschen scheint öfters ebenso endlich wie das menschliche Leben. Endlichkeit. Überhaupt spielt der Tod als großes Thema in all seinen Facetten immer öfters eine noch nicht so richtig einschätzbare Rolle. Ich stolpere völlig unerwartet über ihn, an Stellen, wo ich es nicht vermutet hätte. Er kreuzt quasi beiläufiger als früher meinen Weg für ein kleines Pläuschchen. Er scheint sich um Freundschaft und Versöhnung zu bemühen. Soweit bin ich aber noch nicht. Warten wir das nächste Jahrzehnt ab.

Ein persönliches Resümee zum Älterwerden - Zwischenstopp:

1. Die Wichtigkeit vieler Dinge gewichtet sich anders oder verliert sich ganz.
2. Ich muss und will mir und der Welt nichts mehr beweisen. Ich agiere aus mir selbst heraus, anstatt mir permanent einen Kopp um die von mir erwarteten Reaktionen zu machen.
3. Mir selbst genügend, fühle ich mich wohlig in mir und kann mir dieses und jenes Verrückte, diese oder jene mir zugehörige Klatsche verzeihen und als ein Teil von mir wohlwollend akzeptieren und es gut sein lassen.
4. Der Blick zurück ist weicher und liebevoller als noch vor Jahren. Viele „Warums“ haben sich in ein ruhiges „So isses halt gewesen“ gewandelt.
5. Mein Körper ist mein Zuhause und ich leb recht vergnügt in ihm, ohne dass ich permanent an der Fassade rumrenovieren müssen müsste. Auch mit flachen Absätzen, Kugelbauch und legerer Kleidung fühle ich mich schön und begehrenswert.
6. Meine Sinnlichkeit geht tiefer, ist verzweigter und lässt sich nicht mehr auf das rein Körperliche einschränken. Ich weiß, was ich will und was nicht, kann es mitteilen und für mich sorgen.
7. Die Sinnhaftigkeit und Selbstbestimmtheit meiner Arbeit ist mir noch wichtiger geworden als der durch mehr Angepasstheit möglicherweise sich ergeben könnende materielle Gewinn oder eine anzustrebende Statuserhöhung.
8. Nein-Sagen fällt mir viel leichter und beim Ja-Sagen fehlt das „aber“.
9. Bei Freundschaften wird dem Gewachsenen mehr Zeit und Aufmerksamkeit zugestanden als dem flüchtigen Bekanntsein. Qualität kommt heute vor Quantität.
10. Ich tanze in Beziehungen nicht mehr auf Zehnspitzen durch vermutete Minenfelder, sondern nehme auch Explosionen in Kauf, streichle meine Wunden selbst heil und sterbe nicht mehr den Dramentod, wenn jemand geht.
11. Alleinsein erquickt mich und Einsamkeit kann ich selbst beenden.
12. Nur das Abschiednehmen beim Tod von Menschen, die mich über Jahrzehnte begleiteten – das, das ist noch immer so schrecklich schwer. Da fehlt mir immer noch die innere Ruhe und Gelassenheit.
13. Ich lieb mich. Noch immer.

02.04.16

Rührselig?

Wird man rührseliger, wenn man sechzig wird? „Man“ weiß ich nicht, aber für mich gilt: Nein, eindeutig nein! Zorniger, also ich werde einfach nur zorniger über all den Mist und das Elend auf dieser Welt und über die grenzenlose Dummheit der Menschen an sich. Obwohl, „dumm“ ist eigentlich der falsche Begriff. Lernresistent würde ich das Geschlecht der Menschen nennen, gierig und immer das eigene Ich in den Mittelpunkt stellend.

Einen Hauptgrund sehe ich darin, dass die Endlichkeit des eigenen kleinen Lebens völlig ausgeblendet und somit nicht verstanden wird, dass jeder von uns genauso besitzlos gehen wird, wie er gekommen ist. Also, was soll dieses Raffen und Gieren? Für die nachfolgende Generation? Ja, die haben dann vielleicht ein vergnügliches Leben mit all dem Geld und Besitz. In einer total kaputten und verrohten Umwelt. Na Bravo. Das war es dann aber auch wert, das eigene Leben so verquert zu leben. So ein ausgemachter Blödsinn!