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14.11.18

Morgens


Morgens früh um halb sechs, nach dem Gassi gehen und beim ersten Kaffee. Frau Müller liest sich durch die neuesten Nachrichten und stellt fest, dass auch um diese Uhrzeit die Welt noch kein besserer Ort geworden ist. Warum sollte sie auch. 


09.11.18

Nicht allein


Die Frauenbewegungen haben mich viel gelehrt. Sie haben mich ermutigt, erschüttert, enttäuscht, erschöpft, ermuntert, beschenkt. Ich habe mich in und mit ihnen groß und klein gefühlt. Schwach und mächtig. Aufgehoben und ausgestoßen. Belächelt und ermutigt. 


Das Allerwichtigste jedoch geschah ganz am Anfang und war für alle Bereiche meines Lebens fortan tragend: Ich war nicht allein! Nicht allein mit meinen Gedanken, meinen Zweifeln, meinen Visionen, meinem Körperempfinden, meiner Sprachlosigkeit, meinem Zorn, meinen verwirrenden Erfahrungen als Mädchen und Frau. Und hinter diesem „Du bist nicht allein!“ steckte ja noch ein zweites, nicht weniger Prägendes: „Du bist okay, so wie du bist!“

Ich wünsche mir seitdem, dass jeder Mensch einmal in seinem Leben diese Erfahrung bis zum Grunde auskosten kann. Eine Quelle nie versiegender Energie und Kraft. Die Ressource überhaupt um mit den Widrigkeiten und dem fordernden Durcheinander, dem Auf und Ab eines Menschenlebens auch nur irgendwie angemessen umgehen zu können.

Dazu möchte ich immer noch beitragen.

*Anmerkung
Ja sicher war und bin ich auch Teil ganz anderer gesellschaftlicher Bewegungen meiner jeweiligen Zeit. Aber, an diesem Punkt, war diese schlichtweg am einflussreichsten auf mich.

05.11.18

Ich nenne dich


Ich darf nicht sagen, dass du ein erbärmlicher Vergewaltiger bist, nur weil du eine schwere Kindheit hattest?
Ich darf nicht sagen, dass du Kinder misshandelst, nur weil du eine Frau bist?
Ich darf nicht sagen, dass du unfreundlich, selbstgerecht und ungerecht bist, nur weil du älter bist?
Ich darf nicht sagen, dass du ein Kriegshetzer bist, nur weil meine Vorfahren schon mal mordend durch dein Land getrampelt sind?
Ich darf nicht sagen, dass du lügst wie gedruckt, nur weil du lesbisch bist?
Ich darf nicht sagen, dass du mich beklaut hast, nur weil du ein Obdachloser bist?
Ich darf nicht sagen, dass du ein elendiger Dealer bist, nur weil deine Hautfarbe dunkler ist?
Ich darf nicht sagen, dass ich die Taten, die im Namen deiner Religion verübt werden, verachte, nur weil du wegen deines Glaubens schon mal verfolgt wurdest? Ich darf nicht sagen, dass du ein Täter bis, nur weil du selbst einmal Opfer warst oder bist?
Ich darf dich nicht Rassist nennen, weil du so voller Selbstzweifel und Ängste bist?

Ich darf nicht sagen, dass mir dieses oder jenes, was du sagst und tust, nicht gefällt und ich es total ablehne, nur weil du eh schon in anderen Bereichen deines Lebens diskriminiert, unterdrückt und erniedrigt wurdest/wirst?

Hallo, das ist ja sowas von deppert. Absolut und eindeutig deppert.

Ich nenne dich Vergewaltiger, wenn du einer bist.
Ich nenne dich Kindermisshandlerin, wenn du eine bist.
Ich nenne dich unfreundlich, selbstgerecht und ungerecht, wenn du es bist.
Ich nenne dich Kriegshetzer, wenn du es bist.
Ich nenne dich Lügnerin, wenn du eine bist.
Ich nenne dich Dieb, wenn du einer bist.
Ich nenne dich Dealer, wenn du einer bist.
Ich nenne dich Gewalttäter, wenn du einer bist.
Ich nenne dich Täter, wenn du einer bist.
Ich nenne dich Rassist, wenn du einer bist.

Ich nenne dich so, weil du dich so verhältst und deine Herkunft, dein Geschlecht, dein Alter, deine Religion, dein Status, deine sexuellen Neigungen spielen dabei überhaupt keine Rolle für mich.

ST.S.: In diesem "Benennen" steckt viel "Objektivierung" eines Subjekts durch ein Subjekt. Die Tat selbst ließe sich subjektivieren oder mit ihrem Verb ansprechen. So bliebe der Respekt dem Menschen gegenüber erhalten und ließe ihm/ihr die Perspektive, sich zu ändern.

Ich verstehe, was du meinst. Und in bestimmten Kontexten benutze ich auch lieber die Verben, damit verständlich wird, dass es mir um diesen Persönlichkeitsanteil geht. Vielleicht hängt mein obiger Blick mit meinem Menschenbild zusammen (und das ich blöderweise immer als bekannt voraussetze *grummel), das davon ausgeht, dass jeder Mensch unendlich viele Facetten hat, die sich zum Teil sogar widersprechen können. Was ich ausdrücken wollte war, ich kann mein Gegenüber sowohl als Täter, als auch als Opfer wahrnehmen und im jeweiligen Kontext so benennen. Oder, anderes Beispiel anhand der zufällig oben formulierten: Ich nenne mein Gegenüber einen Rassisten und kann ihn in einem anderen Kontext trotzdem als einen zuverlässigen Menschen bezeichnen. Ich nenne sie eine Lügnerin und kann doch Seite an Seite mit ihr für ihre Rechte als Lesbe kämpfen. Ich kann die Gewalttaten unter dem verlogenen Deckmäntelchen einer Religion fundamental ablehnen und doch für die staatlich festgeschriebene Freiheit der Religionsausübung sein. Ich kann einen Gewalttäter, Gewalttäter nennen und trotzdem um das verlorene Kind in ihm weinen. Ich kann jemanden Dieb nennen und mich doch für ein menschenwürdigeres Leben für ihn einsetzen. Und, und, und ... ... ... Es widerspricht sich in meiner Welt nicht und kommt sich auch nicht in die Quere. Ist das irgendwie verständlich, was ich ausdrücken möchte?

03.11.18

Morgenstund


Da tobt doch heute Morgen in aller Frühe (4:15h!) ein quietschfideler Junghund auf meinem Bett (und mir) rum und strahlt mich unverschämt gutgelaunt an. Nach einem Spaziergang in ungemütlicher Dunkelheit, einem Rumgebelle vom Feinsten, nach Speise und Trank und dem Einsammeln seines Spielzeuges mit Radau und Gequietsche liegt er nun völlig entspannt zufrieden neben mir. Ich denke, ich muss mit diesem Kerlchen noch mal Klartext über die festgeschriebenen und allereigentlich nicht verhandelbaren Bedingungen von Kost und Logis sprechen.

01.11.18

Melancholie


„Was sind Sie denn heute so verdammt gut gelaunt, Frau Müller? Immerhin ist doch jetzt November. Der Monat der Melancholie und der vorwinterlichen Depressionen.“

„Quatsch. Melancholie erlaube ich mir zu jeder Zeit. Immer dann, wenn es mir passt. Und die Madame Depression bekommt ihren Tee und ihre Aufmerksamkeitshäppchen wenn ich gerade mal Platz im Terminkalender habe. Ich lasse mich doch nicht durch einen Kalender, den ein Mann Namens Gregor nach durchzechter Nacht im Beisein seiner Mätresse beiläufig und willkürlich entworfen hat, dazu verführen meine Gemütslagen nach dessen zeitlichen Vorgaben zu goutieren. Nenene, ein wenig Unabhängigkeit muss schon sein.“

25.10.18

Deine Worte, meine Worte. Immer noch.


Ich sage und schreibe so viel und manchmal überfällt mich der Gedanke, dass doch alles schon gesagt wurde, doch alles schon gedacht sei zu den großen und kleinen Fragen der Menschheit. Dann fühle ich mich wie das Hamsterlein im Rade. Wiederkäue ich Worte und Gedanken aus Jahrhunderten? Unbesehen.

Wenn man Jahrzehnte sich lesend und Erfahrungen sammelnd durchs Leben bewegte, dann kann man nicht mehr unterscheiden, was Deines ist und was das Meine. Warum denkt und schreibt man also? Warum man das macht, das weiß ich nicht. Ich tue es, weil all das Denken und die Worte wohl bisher nicht ausreichten und immer wieder ausgegraben, durchgekaut und neu formuliert werden müssen.

Vielleicht, vielleicht erreichen sie dann auch all jene, die sich ihnen bisher verweigerten. Und ja, ich gestehe es, ganz heimlich, ganz tief in mir drinnen liegt diese kindliche Sehnsucht, das eine Wort zu finden, den einen Satz, der in den Hirnen und Herzen der Menschen explodieren und alles, alles von Grund auf verändern würde. Welch eine Anmaßung!?

Ja, natürlich. Aber auch der Motor, um nicht in ein Schweigen zu verfallen, welches letztendlich dem Tode gleich käme. Deshalb erlaube ich mir, die Buchstabenreihungen wieder und wieder durchzurütteln und neu zu formieren und aus dem Deinen ein Meins zu machen, damit es ein Unser wird.



23.10.18

Liebe ist...


Liebe ist, wenn dein Hund morgens um halb fünf das Quietschetier neben deinem Kopf positioniert, drauf rum kaut und beide dann so einen bestimmten Ton von sich geben und du, noch völlig verschlafen, aus dem Bett und kaum sortiert in deine Klamotten springst und mit ihm in Dunkelheit und tiefstem Nebel Richtung Felder stampfst, dort bemerkend, dass du weder die richtigen Schuhe erwischt, noch der herrschenden Temperatur entsprechend die richtige Jacke übergeworfen hast. Von Schal und Handschuhen ganz zu schweigen. Immerhin, ein Blick an das Ende der Leine bestätigt es, hast du den Hund dabei. :-)

*Anmerkung
Ist nur ein Beispielfoto von Pixabay. Es war vieeeeeel dunkler und nebliger.